Bluff – Wenn die Maske zur zweiten Haut wird
- Vanessa J. Barbass

- 7. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Sept. 2025

Bluff. Wenn die Maske zur zweiten Haut wird. Wir alle tun manchmal so, als wären wir jemand anderes. Mal in kleinen Momenten, mal in großen. Ein Pokerface beim Vorstellungsgespräch, ein Lächeln, obwohl uns eigentlich zum Weinen ist oder eine demonstrierte Stärke, obwohl wir innerlich am Zerbrechen sind. Dahinter steckt ein tief verankertes Muster: Schon früh lernen wir, dass bestimmte Rollen uns schützen oder Vorteile bringen. Wer angepasst wirkt, wird in Ruhe gelassen. Wer stark auftritt, wird respektiert. Unser Gehirn merkt sich solche Erfahrungen und wiederholt sie irgendwann ganz automatisch. Genau da liegt das Problem. Wenn die Rolle zum Dauerzustand wird, verlieren wir das Gefühl dafür, wer wir eigentlich ohne sie sind. Das, was einst ein Schutzschild war, wird zu einer zweiten Haut, die uns einengt. Man erkennt das daran, dass Menschen nach außen hin perfekt erscheinen, redegewandt, selbstsicher, charmant und sich innerlich leer fühlen. Beziehungen bleiben an der Oberfläche, weil niemand das wahre Ich sieht. Die Gefahr ist, dass man irgendwann selbst nicht mehr weiß, welches Gesicht das echte war.
Doch es gibt einen Weg daraus. Wir können lernen, diese inneren Programme zu verändern. Der erste Schritt ist, unsere Sprache bewusst zu nutzen, nicht nur im Gespräch mit anderen, sondern auch im Dialog mit uns selbst. Wer ständig denkt: „Ich muss stark sein“ oder „Ich darf nicht anecken“, schnürt sich selbst ein. Wer stattdessen sagt: „Ich entscheide, wann ich stark bin“ oder „Ich darf meine Meinung vertreten“, schafft inneren Freiraum. Es sind kleine Veränderungen, die langfristig Großes bewirken können. Denn das, was wir uns selbst sagen, beeinflusst unser Auftreten und damit auch, wie wir auf andere wirken.
Ich habe das selbst erlebt. In der wohl härtesten zeit meines Lebens. Ich hatte meine Rolle perfektioniert: Hemd, Anzug, klare Worte, ein souveränes Auftreten. Ich war die Person, die man ernst nahm. Doch innerlich war ich am rebellieren und oft unsicher. Diese Rolle war wie eine Rüstung, sie hat mich geschützt, aber auch belastet. Irgendwann merkte ich, dass sie schwerer wurde, mich aber auch rettete. Erst als ich begann, bewusst zu entscheiden, wann ich diese Maske brauche und wann nicht, fand ich wieder zu mir selbst zurück. Bluffen kann überlebenswichtig sein. Es kann dich schützen und Türen öffnen. Aber wenn du nie aufhörst zu bluffen, wird es dich auf Dauer zerstören. Wahre Stärke zeigt sich nicht darin, die perfekte Rolle zu spielen, sondern darin, zu

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